Oostaler Lachsforelle in Rote Bete Fumet
Zwischengericht für 10 Personen vom Frankfurter Sternekoch Andreas Krolik
Der Chef im Frankfurter Tigerpalast angelt privat, wann immer er kann. Daher auch seine Vorliebe und seine Meisterschaft im Umgang mit Süßwasserfisch wie diese heimische Lachsforelle, die er vorsichtig auf 42 Grad Kerntemperatur gart und mit den erdigen Noten von Bete und Schwarzwurzeln genial kombiniert.
© Brenner's Park-Hotel & Spa
Vorbereitungszeit: 40m
Zubereitungszeit: 1h 50m
Level: Chef de Cuisine
Zubereitungsart: Mise en Place
Sternekochrezept
Zutaten
Lachsforelle
- 600 g Lachsforellen-Filets
- 50 ml Olivenöl natives extra, fruchtig
- etwas Zitronen-Meersalz
- etwas Pfeffer, bunt, im Mörser grob zerstoßen
- 100 g Avrugakaviar
- 150 g Rote Bete, roh
- etwas Kümmel, ungemahlen
- etwas Meersalz
- 150 ml Geflügelconsomme
- 150 ml Fischfond
- 150 ml Bund Rinderconsommé, klar
- etwas Koriandersaat, gemahlen
- etwas Cayennepfeffer
- 2-3 g Xanthan
- 500 g Schwarzwurzeln
- 200 g Kartoffelpüree
- 100 ml Glasage zum Glasieren der Schwarzwurzeln
- 1/2 Bund Blattpetersilie
- 100 g Meerrettich , frisch gerieben
Zubereitung
Dicke Filets von ca.1,5-2 kg schweren Lachsforellen (nicht von zu kleinen) verwenden. Die Schwanzspitzen und dünnen Bauchstücke abschneiden und ohne Haut das ganze Filet großzügig mit grobem Meersalz einsalzen und für ca. 25 Minuten im Kühlhaus expressbeizen, dann das Salz vorsichtig abwaschen und Filets trockentupfen. Portionieren à 60g.
150g Rote Beteroh mit Kümmel und etwas Meersalz in Alufolie bei 140°C im Backofen für ca. 1½ Stunden garen, abkühlen lassen, schälen und in 2-3mm Würfel schneiden. Alle Abschnitte für den Rote Bete Fumet aufheben.
150ml Geflügelkraftbrühe, 150ml Fischfond, 150ml Rinderconsommé (sollten frisch gekocht sein und keine Instantbrühen) zusammengeben und aufkochen, mit etwas gemahlenen Koriandersamen und einer Prise Cayenne-Pfeffer würzen, darin die Abschnitte der Rote Bete zum Färben ziehen lassen.
2-3g Xanthan zum Binden des Fumet vorsichtig in die Flüssigkeit einrühren, es sollte eine leicht gelierte sämige Konsistenz erhalten (Durch das Binden mit Xanthan bleibt die Konsistenz auch im warmen Zustand schön geliert sämig!)
500g geschälte Schwarzwurzeln im Ganzen in milder Geflügelbrühe mit etwas Milch fast weichkochen, abschrecken und in ca. 5mm Würfel schneiden. Die Schwarzwurzelabschnitte ganz weich verkochen und fein zu Schwarzwurzelpüree (200g) mixen.
Blech mit dem Olivenöl großzügig einpinseln, die Lachsforellenfilets darauflegen, mit Klarsichtfolie abspannen und in 80°C vorgewärmten Holdomat (oder sehr genauen Backofen) geben für ca. 15-20 Minuten; die Kerntemperatur des Fisches darf maximal 42°C erreichen!
Bei dieser Temperatur warm halten.
Den Rote Bete Fumet leicht gelieren wie beschrieben. Die Rote Bete Abschnitte herauspassieren, die fein geschnittenen Rote Bete Würfel zugeben und auf ca. 80°C erhitzen, aber nicht mehr kochen!
Kartoffelpüree mit Schwarzwurzelpüree mit etwas Sahne zu cremigen Mousseline verrühren und in Espumaflasche mit 2-3 Gaskapseln geben; im Wasserbad warmstellen.
Die vorbereiteten Schwarzwurzelwürfel in der Glasage erhitzen und glasieren. Diese können mit etwas feingeschnittener Blattpetersilieverfeinert werden.
Anrichten
Schwarzwurzeln in die Tellermitte geben, etwas Schwarzwurzelespuma daraufgeben, das Lachsforellenfilet darauf setzen und den Rote Bete Fumet vorsichtig außen herum angießen.
Zum Schluß etwas frischen Meerrettich mit einer scharfen Microplane-Reibe darüberreiben und eine Prise Fleur de Sel und _geschrotet_en Pfeffer auf den Fisch geben.
Weinempfehlung
Rux Riesling trocken 2012
Der Rux Riesling trocken 2012 zeigt sich hellgelb mit grünem Schimmer im Glas. Die Nase zeigt Aromen die an frischen, knackigen und saftigen Pfirsich, Aprikosen, Kiwi, Zitronengras und Zitronenmelisse erinnern. Grüne frische Gräser und ein salzig mineralischer Duft ergänzen. Am Gaumen schmeckt der Rux Riesling präzise, konzentriert, füllig, harmonisch mit eleganten Aromen. Die mineralischen Aromen sind herrlich integriert und die Frucht kommt super zur Geltung. Ganz lecker Ding!

Das Produkt ist der Star
Andreas Krolik, ehemals Zweisterne-Chef des "Brenner's" im Baden Badener "Brenners Park Hotel*", seit August 2012 Einsterne-Chef im Frankfurter "Tigerpalast" und seit 2015 Zweisterner (18 Gault Millau) im Lafleur, hat ein ganz einfaches Erfolgsrezept: er arbeitet ausschließlich mit Produkten von absoluter Top-Qualität. Kein Wnder also, dass ihn der "Gault&Millau" 2016 zum "Koch des Jahres" kürte.
Herr Krolik, warum schmeckt bei Ihnen jedes kleine Stückchen Fisch, Gemüse, oder Fleisch viel besser als anderswo?
„Bei jedem Teil Fleisch oder Fisch, das uns geliefert wird, machen wir eine Bratprobe: wir schneiden ein kleines Stück ab und braten es. Dabei testen wir den Reifezustand: Ist es noch nicht ausreichend gereift und können wir es noch eine Woche liegen lassen? Oder es schon völlig ausgereift? Dann sehen wir, ob wir es in einem Tag in der normalen Hotelküche abverkaufen können. Ansonsten lassen wir es zum Metzger zurück gehen.“
Im Gegensatz zu den meisten Sternerestaurants in Deutschland bieten Sie dauerhaft auch ein vegetarisches Menü an – woher kommt Ihre Gemüseliebe?
"Meine Eltern hatten einen 3000 qm großen Garten und zwei große Schrebergärten – da wurde sich schon frühkindlich auf Gemüse und Obst geprägt. Für vegetarische Gerichte gelten bei uns die gleichen hohen Ansprüche wie für alle unsere Gerichte. Wir haben ja auch in Baden bis zum Bodensee hervorragende Erzeuger, aber auch durch die Nähe zu Frankreich: Ich nehme zum Beispiel Gemüse aus Frankreich auch als schrumpelige Bundware, die ja oft viel besser schmeckt als das „schöne“ Gemüse in den Plastikschalen. Man kann aus einem Teil auch Saft pressen, in dem man den Rest mariniert und dadurch den Geschmack verstärkt. Bei Karotten zum Beispiel geben wir noch etwas Säure dazu – Orangensaft und Koriander als Blatt und Samen. Beim Gemüse verarbeiten wir in ein, zwei Tagen das komplette Sortiment durch, da bleibt nichts liegen.“
„Gänseleberterrine mit Gurke und Ochsentatar“, „Lachsfilet mit Raps-Samen“, „Lamm mit Salzzitronenjus“, „Etouffee Taubenbrust mit Oliven-Orangen-Kruste“ – Wie kommt man auf solche Ideen?
„Man muss ein Gespür für den Geschmack haben, eine ganze Weile gekocht und sich dabei möglichst intensiv mit den Produkten beschäftigt haben. Ich kann mich inzwischen in Produkte hineinversetzen und weiß oft schon, ob es zusammen passt, noch bevor ich das gekocht habe. Ich denke fast immer über Essen nach, selbst wenn ich im Auto mit brutal lauter Rockmusik nach Hause fahre. Da geht mir alles mögliche durch den Kopf: Jahreszeiten, vage Erinnerungen, Kombinationsmöglichkeiten. Ich lese auch bis heute sehr viel Fachliteratur, Kochbücher, Zeitschriften. Ich gehe oft bei Kollegen essen, und alle Fragen, die ich nicht beantworten kann, versuche ich zu googeln, um ein Verständnis dafür zu entwickeln.“
Aber Google verrät nicht, welche Lebensmittel miteinander schmecken und welche nicht.
„Das stimmt. Ich habe eine ganz klare Erinnerung daran, wie jedes Grundprodukt an sich schmeckt. Danach denke ich darüber nach, wie die Dinge zusammenpassen, geschmacklich, aber auch, ob sie auf dem Tellern miteinander wirken können. Ich mache keinen bunten Teller um der Buntheit willen. Wenn es mal nur grün und braun ist, aber perfekt schmeckt, gebe ich nicht zwanghaft etwas Rotes hinzu.“
Und was von sich aus gut schmeckt, muss ja auch nicht auf Zwang dekonstruiert werden...
„Ich habe immer bezweifelt, ob ein Produkt wirklich besser wird, wenn ich es für verschiedene Bearbeitungsprozesse 20 Mal in die Hand nehmen muss. Manchmal ist weniger Behandlung mehr, denn die Natur hat dieses Produkt, wenn es optimal gereift ist, ja schon perfekt gemacht.“
*Infos zu Andreas Kroliks früheren Wirkungsstätte: Das Brenners Park-Hotel & Spa zählt mit seiner 135jährigen Geschichte und seinen nur 100 Luxuszimmern zu den zugleich ehrwürdigsten wie zeitgemäßesten Spitzenhotels Deutschlands. Das Haus, nach den Richtlinien der Deutschen Hotelklassifizierung eines der wenigen 5 Sterne Luxus Superior Hotels, ist Teil der exclusiven "Oetker Hotel Collection" (darunter Legenden wie das "Hotel Du Cap-Eden-Roc" in Antibe oder das Pariser "Hôtel Le Bristol"), und gehört zum Verbund der "Leading Hotels of the World". Frank Marrenbach, der Geschäftsführende Direktor des Hauses und zugleich CEO der "Oetker Hotel Collection" , wurde vom Gault Millau zum "Hotelier des Jahres 2004" ernannt.